Ei, Eier & Co.

Im Zeichen von Corona und des miesen Wetters im Januar habe ich mich folgerichtig für ein Indoor-Thema entschieden. Ei, Eier. Vermeintlich ein übersichtliches Thema – habe ich zuerst gedacht, dann ging die Fantasie mit mir durch und mit jedem Tag im Shutdown wurden die Ideen zahlreicher und ein gutes Stück verwirrter und skurriler. Aber seht selbst.

Bild 2 und Bild 3: Spiegeleier

Nachdem ich die ursprünglich angedachten Bilder/Bildideen (Spiel mit Schärfe und Unschärfe) wegen „Langweiligkeit und Ideenlosigkeit“ zwar umgesetzt und denn doch wieder verworfen hatte, schaltete das Kopfkino direkt auf Spiegel-Ei. Gemeint war jetzt nicht das „sunny side up“ oder „over easy“ Ei, sondern mal zwei gänzlich andere Versionen des Themas „Spiegel-Ei“.

Bild 2 zeigt wieder ein Stack aus insgesamt 8 Einzelbildern. Hierbei war es wichtig auch auf das Ei im Spiegel zu fokussieren. (Ich hatte das ursprünglich als glatte Ebene betrachtet – ich musste erkennen, dass das aber so nicht wirklich funktioniert.) Das Ei im Spiegel ist auch tatsächlich so „fotografisch“ entstanden. Es ist keine Montage! Lediglich die viel zu staubige restliche Spiegeloberfläche habe ich ausgetauscht, weil ich die blöden Reflexionen im Spiegel nicht anders beseitigen konnte. Das Ei und natürlich der Handspiegel stehen auf einer glänzenden Unterlage. Auch hier werden noch einmal Eier und Spiegel gespiegelt dargestellt. (Keine Montage, sondern echt Foto!)

Bild 3 zeigt dann doch als Hauptmotiv das bekannte Spiegelei. (Sorgfältig von mir selbst gebraten und hinterher vertilgt!) Aber im Zusammenspiel bekommt das Thema Spiegelei hier eine komplett andere Bedeutung.

Bild 4: Ei-gernordwand

Ja, dieses Bild musste sein. In Gedenken an die Bergsteigerikone Luis Trenker, der mit Bravour die Ei–gernordwand (insgesamt zweimal) bezwang. Denkwürdig ist jedoch die Bezwingung zusammen mit einem gemischten Südtiroler- und Schottischen Bergsteigerteam (um Steve McClimber) in den frühen 30er Jahren. Ein wirklich denkwürdiger Durchstieg durch die ca. 1.800 m fast senkrecht aufragende Wand. Das Team hatte Glück, ein vorhergesagter Wetterumschwung blieb aus. Alle Teilnehmer erreichten zwar erschöpft aber gesund zuerst den Gipfel um danach wieder unversehrt die Basisstation vor der Felswand.

Aufnahme: Stack aus 6 Aufnahmen. Basis ist ein Gänse-Ei.

Bild 5: Ei-phone

Eine denkwürdige Aufnahme. Nachdem Steve Jobs Anfang der 90er Jahre die Entwicklung eines leistungsfähigen mobilen Telefons in Auftrag gab, wurde parallel in drei verschiedenen Designzentren das Äußere des Ei-phones entwickelt.

Die hier gezeigte Studie aus der Feder des schwedischen Gebrauchsdesigners Lasse Bloodstrøm der Universität Uppsala, konnte zwar durch sein schnörkelloses Design überzeugen, doch bei Steve Jobs fiel das Layout irgendwie komplett durch. Es wurde zum Bedauern von Lasse Bloodstrøm nicht realisiert. Der damalige Designauftrag war so streng geheim, dass Bloodstrøm sogar vertraglich verpflichtet war alle Muster unverzüglich zu vernichten. Hat er auch – bis auf dieses einzig überlebende Exemplar. Es wurde gut versteckt in Bloodstrøms Erbmasse gefunden. (Bloodstrøm † 2007) Heute ist das gute Stück im Zentrum für Architektur und Design (ArkDes) auf der Insel Skeppsholmen in Stockholm zu bewundern. Wäre doch toll gewesen – endlich einmal ein dickes Ei in der Tasche zu haben….

Stack aus insgesamt 5 Aufnahmen. Tastatur, Knubbel-Antenne und Display stammen aus verschiedenen uralten Nokia-Teilen. Der rote ON/OFF-Knopf aus einem antiken Motorola-Handy.

Bild 6: Trockenei

Schon vor mehr als 2.000 Jahren wurde nachweislich Südamerika, speziell Chile, in einem ersten Schub von Menschen, die wahrscheinlich aus dem Pazifikraum per Boot, Floß, etc. eingewandert sind, besiedelt. Auf den Osterinseln haben diese „Erstbewohner – oder Folgende“ eindrucksvolle Statuen (ca. 1.000 nach Chr.) hinterlassen – bevor sie wieder verschwanden.

Im tiefen Süden von Chile wurden zwar keine kolossalen Statuen gefunden, aber andere Hinterlassenschaften zeigten auffällige Spuren einer prähistorischen Besiedelung. Im Rahmen von umfangreichen archäologischen Studien der Universität Valparaíso (frühe 1990er Jahre) offenbarten eine besondere Technik, der Konservierung von Lebensmittel. Wahrscheinlich einzigartig auf der Welt.

Die frühen Bewohner, fälschlicherweise als „Indios de huevo seco“ bezeichnet, sammelten im Frühjahr jede Menge Eier von Gänsen, Enten und Möwen, die dort zahlreich vertreten waren. Diese wurden in einem „sehr“ speziellen Robbentran gebraten und schließlich in der Tundra an speziellen Leinen zum Trocknen aufgehängt. Die Seile bestanden wohl aus geflochtenem und gedrehtem und verzwirbeltem Seegras, eine Technik die in der Südsee heute ebenfalls noch bekannt ist. Nach ca. 50 bis 60 Tagen verblieb ein kräftiger trockener und knuspriger Eiweiß-Snack, der heutigen Astronautennahrung jedenfalls nicht unähnlich. Feuerstellen am Rande dieser Trocknungsplätze zeigten, dass „Eierwächter“ die Eier gegen allzu aufdringliche Tiere vehement verteidigt haben mussten. Der besondere „Geruch“ des langsam vor sich hin fermentierenden Robbentrans hat wohl auch zur Abwehr von Fressfeinden entscheidend beigetragen.

Studenten (freiwillig!!) haben in Versuchen den Prozess (siehe Foto) nachempfunden. Die Eier sollen tatsächlich sogar genießbar gewesen sein (weniger Freiwillige). 

Und ich würde nicht alles glauben, was auf den Bildern zu sehen ist. Montage. Ebenen Technik, ausgetauschter Hintergrund. Alles fake news. Glaubt nichts – oder?

Schönen Dank Annett, dass ich hier eine Möglichkeit bekommen habe Euch zu erfreuen….

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Annett
6 Monate zuvor

Hallo Rolf,

bevor nun Ostern vorbei ist, werde ich dir mal ganz ganz fix antworten und mit meinen Eier-Fotos kontern.
Vielen Dank für deinen tollen Beitrag. Du hast dir sehr viel Mühe gegeben und mit deinen Fotos Begeisterung nicht nur bei mir ausgelöst. Mündlich habe ich am Telefon von vier anderen der Fotogruppe auch Zuspruch zu deinen Fotos gehört, den ich hiermit weitergeben möchte. Leider haben die vier es noch nicht geschafft, direkt hier zu kommentieren. Oder gar selbst ein Eierfoto zu machen.

Die Ideen und die Umsetzung gefallen mir sehr gut. Wiedermal. Ich denke, du hattest Freude und möchtest diese auch mit den „Zuschauern“ teilen. Mich hast du sofort motiviert, sodass ich gleich nach deinem Beitrag auch Eierschalen fotografiert habe.

Bei meinem ersten Versuch stapelte ich halbe leere Eier einfach aufeinander. Das sah nicht gut aus, weil die Schalen zu dicht aneinander klebten. Ich dachte dann, dass ich ein „Distanzstück“ in jedes halbe Ei legen könnte, doch dann kippte der schiefe Turm ständig um. Also entschloss ich mich, die Eierhälften mit Heißkleber zu fixieren. Von dem heruntergekleckerten und mit der Hand aufgefangenen Heißkleber, um den Teppich nicht zu ruinieren will ich hier gar nicht berichten. Gelernt habe ich jedenfalls, dass die Geschwindigkeit ein entscheidendes Merkmal ist, wenn es darum geht, Verbrennungen zu vermeiden oder abzumildern. 🙂

EierStapel6.JPG
Annett
6 Monate zuvor
Reply to  Annett

und noch ein schwarzes.

EierStapel2.JPG
Annett
Annett
4 Monate zuvor

Ostern ist längst vorbei und ich habe jetzt endlich mein Lieblings-Eier-Bild gesucht und gefunden. Hier war jemand ganz fleißig. 🙂

Eier.jpg