Filter – eine Frage unter Philosophen

Mit oder ohne Filter? Das ist eine Frage, die sich viele Raucher auch schon gefragt haben. Aber Fotografen stellen sie sich auch immer wieder.

Mit dem Schritt von der analogen Fotografie zur digitalen sind Filter sehr weit in den Hintergrund geraten. Bildbearbeitungsprogramme bieten heute die Möglichkeit, alles nachträglich so anzupassen, dass man eigentlich auf den Einsatz von Filter verzichten kann. Aber statt vor dem Rechner zu sitzen, gibt es ein paar wenige unter euch, die Filter in ihrer Fotografie einsetzen.

In diesem Artikel möchte ich euch die wenigen gebräuchlichen Filter einmal vorstellen, mit denen man so arbeiten kann.

Generelles

Man unterscheidet bei der Filterform zwischen Rund- und Rechteckfiltern. Grundsätzlich unterscheiden sie sich nicht in ihrer Funktion. Der Unterschied besteht darin, dass im Gegensatz zu Rundfiltern die Rechteckfilter nur mit einem Halter verwendet werden können. Dieser Halter wird auf das Gewinde am Ende des Objektives aufgeschraubt. Der Vorteil dabei ist, dass Verlaufsfilter mit ihrem Verlaufsbereich im Halter verschoben werden können. Das geht bei Rundfiltern mit einem Verlauf nicht. Nachteil ist aber, dass im Gegensatz zu Rundfiltern die Logistik aufwendiger ist. Die Filter und der Halter (inkl. Adapterringen) werden oft in extra Taschen verpackt, die dann auch mitgenommen werden wollen. Rundfilter einer Größe werden einfach zu einem kleinen Paket zusammengeschraubt.

Was sind gebräuchliche Filter?

Unter gebräuchlichen Filtern verstehe ich:

  • ND- oder Graufilter
  • Variabler Graufilter
  • Polfilter
  • Verlaufsfilter
  • Astroklarfilter

ND-Filter

Diese Filter beeinflussen die Lichtmenge, die auf dem Sensor auftrifft, je nach Stärke. Dabei sprechen wir um eine Beeinflussung bzw. Abblendung von 1 Blenden- bis zu mehrfachen Blendenstufen. Die Abstufung selber wird in Form von zwei Arten angegeben. Wir unterscheiden dabei in einem Wert, der die Neutraldichte angibt, und einem Wert, der einen Faktor angibt. Letzteres ist der gebräuchlichere Wert und beginnt mit den Buchstaben ND. In der folgenden Tabelle sind einige gängige Filtergrößen aufgeführt mit den entsprechenden Blendenstufen.

Nd-Filtertabelle

Die Filterstärke wie in der Tabelle endet aber noch nicht bei ND1000. Mittlerweile gibt es handelsübliche Filter bis ND32000. Durchgucken ist aber schon bei ND1000 nicht mehr möglich. Die Kamera kann das aber!

Variabler Graufilter

Beim variablen Graufilter handelt es sich um spezielle Rundfilter, die aus zwei Scheiben bestehen. Diese ändern durch gegenseitiges Verdrehen die Stärke des Graufilters. Werte können z.B. ND8 bis ND512 sein. Aber Achtung: Hier sollte nicht am Geld gespart werden. Billige Filterscheiben können den Fehler haben, dass Teile des Sichtfeldes dunkler als andere Teile sind. Das sieht nicht gut aus im Ergebnis.

Was macht man also mit ND-Filtern?

Auf das Thema der Langzeitfotografie gehe ich hier nicht ein. Aber wer den Begriff der Langzeitfotograf kennt, weiß, dass man llaaaaaaanngeee belichten muss. Dafür gibt es die Einstell-Möglichkeiten an der Kamera wie folgt: ISO auf 100 und Blende auf größtmögliche Blendenzahl (also auf kleinstes Blendenloch) Damit sind aber Grenzen gesetzt. Zum einen habe ich mit der kleinen Blende keinen Einfluss auf die Tiefenschärfe. Zum anderen hat jedes Objektiv ab etwa Blende 16 so seine Probleme mit der Beugung. Aber manchmal reicht auch das nicht. Und da kommen die ND-Filter ins Spiel. Statt mit kleinster Blende kann ich jetzt die aussuchen, die ich für meine Bildkomposition brauche. Je nach verwendetem Filter, der Blende und der ISO ergeben sich Zeiten von mehreren Sekunden bis zu mehreren Minuten.

Aber auch die kleineren Filtergrößen haben ihren Charme. Sie dienen nicht unbedingt dazu, Zeiten zu verlängern. Man kann aber bei bewölktem Himmel die Struktur der Wolken durch das leichte Abdunkeln hervorheben. Kombiniert mit einem Polfilter eine gute Möglichkeit einen bewölkten blauen Himmel schön zu gestalten.

Polfilter

Und damit kommen wir schon zum Polfilter. Der Polfilter hat eigentlich die Aufgabe, spiegelnde Flächen zu entspiegeln um dahinter liegende Gegenstände sichtbar zu machen. Flächen können sein: Fensterscheiben oder auch Wasseroberflächen. In Kombination mit einem Graufilter bei fließendem Gewässer kann das ganz Pfiffig sein

Polfilter selber sind zwei übereinanderliegende Scheiben, die zueinander verdreht werden. Durch das Verdrehen wird die Spiegelung entweder verringert oder, wenn gewünscht, auch verstärkt.

Ein Nebeneffekt des Polfilters ist das „Bläuen“ des Himmels. Steht man seitlich zur Sonne kann man mittels des Polfilters das Blau des Himmels noch kräftigen.

Verlaufsfilter

Apropo Sonne. Jeder kennt das Problem, bei Sonnenuntergang eine gute Ausleuchtung von Vorder- und Hintergrund zu erlangen. Die Sonne steht am Horizont und nach oben und unten wirds dann dunkler. Jetzt kommen Verlaufsfilter ins Spiel. Auch diese gibt es in verschiedenen Stärken, sodass eine Anpassung an die vorhandenen Lichtverhältnisse auch damit möglich ist.

Die Filter selber gibt es in verschiedenen Ausführungen:

  • Verlaufsfilter
    Ab Mitte des Filters wird das Licht gleichmäßig abgedunkelt. Es wird noch zwischen Soft und Hard unterschieden. Damit ist der mittige Bereich gemeint. Hat man eine Linie am Horizont wird bevorzugt ein Hard-Verlaufsfilter genommen. Das Licht kommt in dem Fall über die gesamte Breite auf den Sensor. Anders sieht es aus, wenn die Horizontlinie uneben ist. Z.B. Gebirge oder Häuserfronten. Dann ist es besser einen Soft-Verlaufsfilter zu nehmen.
  • Reverse Verlaufsfilter
    Steht die Sonne knapp über dem Horizont, kann auch dieser Filter verwendet werden. Eine Hälfte ist ohne Filter. Ab der Mitte fängt der Filter dann mit der stärksten Filterung an und nimmt nach außen dann ab. Damit wird Vordergrund und Himmel dann heller abgebildet als der sonnige Bereich in der Mitte.
  • Center Verlaufsfilter
    Dieser Filter beginnt mittig mit der stärksten Filterung und nimmt nach beiden Seiten ab. Wie beim Reverse Verlaufsfilter gut geeignet für die Abdunkelung des Hoizontes und einem Teil des Vordergrundes

Alle diese Filter sollten Rechteckfilter sein. Ohne den Kamerawinkel zu verändern, habe ich damit die Möglichkeit, den mittleren Bereich nach oben oder nach unten zu verschieben.

Astroklarfilter

Nachtaufnahmen haben so ihren Charme. Wenn da nicht der Dunst ist. Dunst ist eine Reflektion von kleinsten Tröpfchen in der Luft. Dabei wird gelbes Licht zurückgestrahlt. Mittels des Astroklarfilters wird der Gelbanteil aller Lichtquellen gedämpft. Die Dunstflecken sind somit nicht kräftig genug und kommen durch den Filter nicht durch. Nur noch stärkere Lichtquellen kommen durch und das entstandene Bild erscheint damit klarer.

Noch ein paar Tipps am Rande

Leider haben Objektive nicht immer die gleichen Gewindedurchmesser. Das macht aber nichts. Den Kauf von entsprechenden Durchmessern kann man mittels Adapterringen entsprechend anpassen. Ich habe meine Filter mit 82mm gewählt und kann mit einem Set von Reduktionsringen runter bis 49mm adaptieren. Solche Sets gibt es schon ab 10,-€ zu bekommen.

Dann noch zu den Filtern selber: Kauft nicht zu billig. Diese Filter haben Qualitätsunterschiede, die sich ggf. beim Kombinieren bemerkbar machen. Beim Polfilter z.B. kann genauso wie beim variablen Graufilter eine ungleichmäßige Ausleuchtung des Bildes entstehen.

Zur Frage des Materiales bei Rechteckfiltern unterscheidet man zwischen Glas- und Kunststofffiltern. Wo da der Vorteil ist, kann ich nicht sagen. Mir ist nur von einem anderen Fotografen erklärt worden, dass die Beschichtung bei Kunststofffiltern beim Reinigen schneller beschädigt werden können. Glasfilter können stattdessen mit Wasser abgespült und mittels weichem Tuch getrocknet werden können. Nachteil von Glasfiltern ist natürlich das Gewicht.

Und jetzt noch etwas zu UV-Filtern. Die werden gerne beim Kauf von Objektiven als sogenannter Schutz der Linse angeboten. Bei Analogkameras hatten sie ihre Funktion, da das UV-Licht einen Einfluss auf den Film hatte. Das ist bei Digitalkameras nicht mehr der Fall. Die Filter haben stattdessen einen minimalen Einfluss auf das entstandene Bild. Man sollte sich also überlegen, ob man Geld dafür ausgibt, um die Linse zu schützen. Wird eine Streulichtblende am Objektiv eingesetzt ist das schon ein großer Schutz gegen Berührung.

Wer sich einmal Filter und ihre Auswirkung einmal anschauen will, schaut mal bei Rollei rein.

Viel Spaß beim Probieren mit Filtern.

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Wolfgang
1 Jahr zuvor

Hallo Andreas, Danke für deinen Beitrag, der sicherlich einige Arbeit gemacht hat. Filterfotografie ist ein so umfangreiches Gebiet das darüber ganze Bücher geschrieben werden, darum ist dein Artikel doch schon einmal eine Anregung für den einen oder anderen sich vertiefend mit dem Thema zu beschäftigen. Ich habe noch eine Anregung für diesen Beitrag: Benutze doch die Tabele als Beitragsbild, dann ist nicht dieses weiße Feld neben/vor der Artikelüberschrift.